Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) adulter Vogel [Juni]
Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) adulter Vogel [Juni]

Der Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) [Länge 13 cm, Familie der Rohrsänger (Acrocephalidae), Geschlechter gleich] ist einer der vier in ME brütenden Rohrsänger-Arten (Schilfrohrsänger, Drosselrohrsänger, Sumpfrohrsänger, Teichrohrsänger). Sein Brutareal reicht von den Britischen Inseln über West-, Mittel-, Nord- und Osteuropa bis nach Mittelsibirien und umfasst außerdem  die Länder SO-Europas, Anatolien und die Kaukasusregion. Lebensräume sind die Verlandungszonen von Seen und Weihern sowie die Randbereiche von wasserführenden Gräben mit Binsen, hohen Gräsern, Stauden und niedrigen Weiden- und Erlenbüschen (also Lebensräume, die in ME zunehmend "Mangelware" werden). Der Schilfrohrsänger ist Zugvogel. Seine Winterquartiere liegen im südlichen Afrika (Regionen südlich der Sahelzone bis nach Namibia). Rückkehr aus den Winterquartieren ab Mitte April. Das erste Foto zeigt einen adulten Vogel in der dichten Vegetation am Rand eines Grabens in der Nähe des Dümmer Sees.

 

Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) singendes Männchen [Juni]
Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) singendes Männchen [Juni]

Der lang anhaltende und laute Gesang ist ein Potpourri aus schwätzenden, pfeifenden und trillernden Tönen untermalt mit Imitationen anderer Vogellaute. Er wird meistens von einer leicht erhöhten Singwarte (ca. 0,5 - 1 m über dem Boden) vorgetragen (siehe zweites Foto). Manchmal auch kurze Singflüge. Nestbau bodennah (ca. 0,5 m über dem Boden) in dichter Vegetation. Brut von Mai bis Juni. Gelege mit 4 - 6 Eiern. Brutdauer 12 - 14 Tage. Weibchen brütet allein. Nestlingsdauer 11 - 14 Tage. Beide Elternvögel füttern. Die Jungvögel sind nach 17 - 19 Tagen flugfähig und mit 25 - 30 Tagen selbständig. Nur eine Jahresbrut, aber Ersatzgelege bei Verlust der ersten Brut. Die Nahrung besteht aus Insekten, Insektenlarven und kleinen Spinnen. Abzug aus den Brutgebieten Juli bis August.

 

Im östlichen Mitteleuropa (Polen, Slowakei, Ungarn) ein Bestand von 300.000 - 400.000 Brutpaaren. In Deutschland nur noch Brutvorkommen in Niedersachsen (z.B. in der Umgebung vom Dümmer See) und in Mecklenburg-Vorpommern (insgesamt nur noch 6.000 - 12.000 Brutpaare). Der Schilfrohrsänger gehört deshalb hierzulande schon zu den eher seltenen Vogelarten und könnte in wenigen Jahren auf der Roten Liste der akut bedrohten Vögel stehen. Gefährdungsursachen sind der Verlust geeigneter Brutbiotope aufgrund von Entwässerung, Flurbereinigung, Intensivierung der Landwirtschaft mit verstärkter Nutzung von Uferzonen und Grabenrändern, Überbauung etc. sowie hohe Verluste auf dem Zug durch Vogelfang im Mittelmeerraum und Nahrungsmangel bzw. intensiven Pestizideinsatz in den Winterquartieren.

 

Quellen der Informationen zur Art: (1) Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.)

AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012; (2) Der Kosmos Vogelführer (L. Svensson et al.)

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH und co., Stuttgart 2011

 

Zurück zur übergeordneten Seite

Grasmücken et al.