Blässhuhn (Blesshuhn) [engl. Coot]
![Blässhuhn (Fulica atra). Adulter Vogel. Rodder Maar, RLP [Mai]](https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=465x1024:format=jpg/path/s2178121504d1cd14/image/i6e38f1fb2b839140/version/1706538571/image.jpg)
Das Blässhuhn (Blesshuhn, Blässralle) [Fulica atra] (Länge 36 - 42 cm, Geschlechter gleich) ist einer der häufigen Wasservögel Mitteleuropas. Verantwortlich für die erste Silbe des Namens ist die bei adulten Vögeln vorhandene weiße Stirnplatte oberhalb des ebenfalls weißen Schnabels. Das Weiß von Stirnplatte und Schnabel in Kombination mit dem einheitlich schwarz-grauem Gefieder (erstes Foto) macht die Blässhühner unverwechselbar. Der zweite Teil des Artnamens (....huhn) ist ziemlich irreführend, da das Blässhuhn nicht zu den Hühnervögeln, sondern vielmehr zur Familie der Rallen (Rallidae) gehört. Anders als bei Entenverwandten und Möwen sind die Zehen des Blässhuhns nicht durch Schwimmhäute miteinander verbunden, sondern mit Schwimmlappen verbreitert. Das Brutareal der schon von dem schwedischen Naturforscher C. von Linne´ (1707 - 1778) beschriebenen Nominatform Fulica atra atra umfasst Europa (ohne N-Skandinavien, N-Finnland und N-Russland), NW-Afrika, Kleinasien und den mittleren Teil Asiens bis Japan (in SO-Asien, Australien, Tasmanien und Neuseeland gibt es noch drei andere Unterarten des Blässhuhns). In Großbritannien, Irland, S-Skandinavien, Mitteleuropa, Frankreich, Spanien, Italien, auf dem Balkan und in der Türkei ist das Blässhuhn Jahres- und Strichvogel, in N- und O-Europa sowie in weiten Teilen Asiens Zugvogel. Bruthabitate sind stehende und langsam fließende nährstoffreiche Gewässer mit reichlicher Ufervegetation. In kalten Wintern weichen Blässhühner auf eisfreie Gewässer aus und/oder suchen an Land in Ufernähe von Gewässern nach Nahrung.
![Nach Nahrung tauchendes Blässhuhn (Fulica atra) wird von einer Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) zwecks Futterraub umkreist. Laacher See, RLP [Februar]](https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=465x1024:format=jpg/path/s2178121504d1cd14/image/ia9796aaa960b233b/version/1759061921/image.jpg)
Die Nahrung des Blässhuhns ist sowohl pflanzlich (frische und sich zersetzende Wasserpflanzen, Grünalgen, im Winter auch Gras) als auch tierisch (Weichtiere, z.B.
die Wandermuschel Dreissena, Schnecken, Insekten, kleine Fische, etc.). Das pflanzliche Nahrungsmaterial, z.T. mit anhaftenden kleinen Krebstieren etc., wird in kurzen Tauchgängen
vom Grunde der Gewässer geholt. Dabei können Enten (z.B. Stockenten &
Pfeifenten) und häufig auch Lachmöwen als Nahrungsräuber agieren (zweites Foto). Das Nest aus Riedgras und Schilf wird im ufernahen
Vegetationsbereich der Gewässer gebaut, und zwar nicht schwimmend, sondern fest auf umgeknickten Riedgras- und/oder Schilfhalmen. Beginn der Brut in Mitteleuropa etwa Mitte April. Eine evtl.
zweite Brut Juni bis Juli. Die Gelege enthalten 5 - 6 (selten bis zu 9) Eier. Brutdauer 22 - 24 Tage. Die Jungvögel verlassen i.d.R. 3 - 4 Tage nach dem Schlüpfen das Nest (manchmal schon
nach 1 Tag) und ziehen mit einem der elterlichen Vögel zu Ausflügen aufs Wasser (drittes Foto). Sie werden von beiden Altvögeln noch länger geführt und gefüttert und sind nach 8 - 9 Wochen
selbständig (viertes Foto).
![Blässhuhn (Fulica atra). Altvogel mit mehrere Tage altem Küken. Rodder Maar, RLP [Ende Mai]](https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=465x1024:format=jpg/path/s2178121504d1cd14/image/ia22368a58eeca413/version/1683020630/image.jpg)
Der Blässhuhn-Bestand in Mitteleuropa beträgt ungefähr 400.000 Brutpaare (Deutschland ca. 100.000). Die Bestände sind in etwa stabil, trotz gelegentlicher Verluste aufgrund des Wegfalls von Nistplätzen im Uferbereich der Gewässer durch gewässerbauliche Maßnahmen oder menschliche Freizeitaktivitäten. Diese Verluste werden anscheinend kompensiert durch Erhöhung des Nahrungsangebots in den Brutgewässern als Folge der Eutrophierung und der damit einhergehenden Zunahme des Wachstums von Algen- und höheren Wasserpflanzen, durch Ausbreitung der als Nahrung dienenden Wandermuschel Dreissena und evtl. auch durch Winterfütterungen. Möglicherweise spielt auch die Annahme neu angelegter künstlicher Gewässer als Bruthabitat eine Rolle. In S-Europa und in Russland sind die Bestände bedroht durch starke Bejagung.
![Blässhuhn (Fulica atra). Selbständiger Jungvogel. Jungferweiher bei Ulmen, Kr. Cochem-Zell, RLP [August]](https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=465x1024:format=jpg/path/s2178121504d1cd14/image/ib2c668432c03eb4a/version/1697304120/image.jpg)
Quellen der Informationen zur Art:
(1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.) Lizenzausgabe eBook. AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001; (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012; (3) Schwimmenten als Schmarotzer bei Blässhühnern (H.-J. Fünfstück) in: Der Falke. Das Journal für Vogelbeobachter. 69. Jahrgang, Heft April, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2022
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