Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Adult (Männchen ?) [April]
Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Adult (Männchen ?) [April]

Die Nilgans (Alopochen aegyptiaca) [Länge 71 - 73 cm], ist  "Neubürger" Mitteleuropas. Das ursprüngliche Brutgebiet dieser zu den Halbgänsen (Familie der Entenverwandten, Unterfamilie Anatinae [Halbgänse, Enten, Säger]) gerechneten Vogelart liegt in Afrika (S-Ägypten, S-Sahara bis S-Afrika). Die Geschlechter sind sich sehr ähnlich. Bei genauerer Beobachtung eines Paares aber lassen sich Männchen und Weibchen anhand ihres unterschiedlichen Verhaltens voneinander unterscheiden. Die Männchen (erstes Foto) halten viel häufiger Wache als die Weibchen  (zweites Foto), zeigen häufiger das Imponierverhalten (Ausbreitung der Flügel und Hochrecken von Hals und Kopf) und verjagen die auf dem Brutgewässer lebenden "Mitbewohner", insbesondere die Stockenten, aus der näheren Umgebung des Nistplatzes. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Nilgans von Offizieren der Kolonialarmee als Ziergeflügel in England eingeführt. Um 1850 gab es dort schon erste frei lebende Populationen. Ab 1960er Jahre erste Bestandsmeldungen aus den Niederlanden (NL). Von da an in NL fast exponentielle Zunahme auf derzeit ca. 6.000 Brutpaare und Ausbreitung nach Deutschland (D) entlang des Rheins.

 

Nilgans (A. aegyptiaca) Adult (Weibchen ?) [Januar]
Nilgans (A. aegyptiaca) Adult (Weibchen ?) [Januar]

Die Hauptbrutgebiete in D liegen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen. Gesamtbestand in D schon mehrere Tausend BP. Brutbiotope sind Parkgewässer, Baggerseen und andere Binnengewässer. Nestbau auf Bäumen (auch Besetzung von Greifvogelhorsten), auf Flößen im Wasser, am Boden in dichtem Pflanzenwuchs, u.a. Legebeginn sehr variabel, i.d.R. zwischen März und Spätsommer, manchmal auch schon im Februar. Die Gelege enthalten 6 - 10 Eier. Brutdauer 28 - 30 Tage. Weibchen brütet allein. Die Küken (drittes Foto) sind Nestflüchter und werden von beiden Elternvögeln geführt. Jungvögel mit 70 - 75 Tagen flügge. Die Familien bleiben mehrere Wochen (manchmal bis zu mehreren Monaten) zusammen. Die Nahrung ist überwiegend pflanzlich (Gräser, Blätter/Stiele anderer Pflanzen, Getreidekörner, in Parkanlagen auch das von Menschen ausgelegte Brot, u.a.), aber z.T. auch tierisch (Regenwürmer und Insekten).

 

Nilgans (A. aegyptiaca) mehrere Tage alte Küken [Februar]
Nilgans (A. aegyptiaca) mehrere Tage alte Küken [Februar]

In der Eifel, Voreifel und im Großraum Bonn ist die Nilgans lokal Brutvogel (z.B. in der Nähe des Laacher Sees, am Jungferweiher bei Ulmen [Kr. Cochem-Zell, RP], am Zülpicher See [Kr. Euskirchen, NRW], im Stadtpark von Rheinbach [Rhein-Sieg-Kreis, NRW], u.a.); am Rodder Maar [Kr. Ahrweiler, RP], an der Steinbachtalsperre [Kr. Euskirchen, NRW] und an Ahr, Mosel, Sieg und Rhein Nahrungsgast.  Als sehr anpassungsfähiger und sehr vermehrungsfreudiger Vogel hat sie im Verlauf der letzten 20 Jahre außer Seen und langsam fließenden Gewässern auch städtische Parks mit Weihern besetzt. Da Nilgänse die Liegewiesen in den Parks nicht nur als Fraßstandorte nutzen (siehe viertes Foto), sondern auch mit ihrem Kot verschmutzen, kommt es jetzt immer häufiger zu Konflikten mit Parkbesuchern, die sich durch die Vögel gestört und belästigt fühlen. Es wurden deshalb schon erste städtische Abschuss-Aktionen (!!!!!) gestartet.

 

Nilgans (A. aegyptiaca) im Vordergrund ein ca. 2 Monate alter Jungvogel [Juni]
Nilgans (A. aegyptiaca) im Vordergrund ein ca. 2 Monate alter Jungvogel [Juni]

 

Literatur zu den Informationen zur Art:

(1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) Aula-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Die Vögel zwischen Sieg, Ahr und Erft (G. Rheinwald & S. Kneitz) Ginster-Verlag, St. Katharinen 2002

 

 

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