Heringsmöwe (Larus fuscus), Adult [September]
Heringsmöwe (Larus fuscus), Adult [September]

Die Heringsmöwe (Larus fuscus) [Länge 51 - 64 cm, die Geschlechter gleich gefärbt] gehört wie die 3 anderen in Mitteleuropa brütenden Großmöwen (Silbermöwe, Mittelmeermöwe und Mantelmöwe) zur Gruppe der "Vierjahresmöwen", also solcher Arten, bei denen die Entwicklung vom Jugend- zum Adultkleid 4 Jahre dauert. Das Brutgebiet umfasst die europäischen Küsten von Nord- und Ostsee bzw. des Atlantik. Mehr noch als die ungefähr gleich große Silbermöwe ist die Heringsmöwe eine marine Vogelart, die in der Nähe der Meeresküsten, aber nicht im küstenfernen Binnenland brütet. Es sind mindestens drei Unterarten bekannt: (1) "graellsii", mit schiefergrauem bis schwärzlich grauem Mantel und kompaktem Habitus (Brutvögel West- und Mitteleuropas, der britischen Inseln und Islands, Standvogel oder Zugvogel bis W-Afrika);  (2) "intermedius", mit dunkel schwärzlichem Mantel und im Vergleich zu "graellsii" etwas schlankerem Habitus (Brutvögel Südwest-Skandinaviens, Überwinterung an westeuropäischen Küsten oder Zug bis W-Afrika);  (3) "fuscus" mit dunkel schwarzem Mantel, der sich farblich fast kaum von den Flügelspitzen abhebt, und elegantem langflügeligen Habitus (Brutvögel im Baltikum, in N-Europa und am Weißen Meer, Überwinterung im Nahen Osten und an den ostafrikanischen Küsten).  Aufgrund dieser Kriterien handelt es sich bei den an der deutschen und niederländischen Nordseeküste zu beobachtenden Vögel wohl zumeist um die Unterart "graellsii". Das erste Foto zeigt einen adulten Vogel, fotografiert im September an der Nordseeküste bei Westkapelle (Zeeland, NL).

 

Heringsmöwe (L. fuscus) selbst. Jungvogel (Bildmitte) [September]
Heringsmöwe (L. fuscus) selbst. Jungvogel (Bildmitte) [September]

Die Nahrung der Heringsmöwe besteht aus Krabben, Fischen, Fischereiabfällen, Regenwürmern, Insekten und Lebensmittelabfällen auf Mülldeponien. Nestbau meist am Boden im Schutz von Pflanzenwuchs, gelegentlich auch auf Gebäuden. Legebeginn frühestens ab Ende April (in N-Europa erst ab Mai). Die Gelege enthalten 2 - 3 Eier. Brutdauer 26 - 31 Tage. Beide Elternvögel brüten und füttern. Nur eine Jahresbrut. Die Jungvögel verlassen das Nest wenige Tage nach dem Schlüpfen, bleiben aber in der Nähe des Nests und sind mit 35 - 40 Tagen flügge. Das zweite Foto zeigt einen schon selbständigen Jungvogel, fotografiert im September an der Nordseeküste bei Westkapelle (Zeeland, NL). Nach der Brutsaison ziehen die Vögel aus den nord- und osteuropäischen Brutgebieten in südlichere Regionen (Nordseeküsten Großbritanniens, Mitteleuropas, Frankreichs und Spaniens, Mittelmeerküsten, Küsten W- und O-Afrikas, Küsten des Schwarzen Meers, europäische Binnengewässer).

 

Heringsmöwe (L. fuscus), vermutlich 2-jähriger Vogel [September]
Heringsmöwe (L. fuscus), vermutlich 2-jähriger Vogel [September]

Wie eingangs erwähnt, dauert die Entwicklung vom Jugend- zum Adultkleid bei der Heringsmöwe 4 Jahre. Das dritte Foto zeigt einen wahrscheinlich 2-jährigen Vogel, ebenfalls aufgenommen an der zeeländischen Nordseeküste in der Nähe von Westkapelle.  -  Der mitteleuropäische Bestand der Heringsmöwe beträgt schätzungsweise  100.000 Brutpaare (58.000 - 72.000 in den Niederlanden, ca. 3.000 in Belgien und 23.000 - 29.000 in Deutschland). Die Art gilt nicht als gefährdet. Außerhalb der Brutsaison sind die Bestände an den Nordseeküsten West- und Mitteleuropas deutlich höher als die voranstehend genannten Zahlen aufgrund der Zuwanderung nord- und osteuropäischer Brutvögel. In der Eifel und Voreifel ist die Heringsmöwe Wintergast. In den Herbst- und Wintermonaten sieht man regelmäßig Vögel auf den Seen des Braunkohlereviers und auch, wie meine eigenen Beobachtungen zeigen, auf dem Zülpicher See und dem Laacher See.

 

Quellen der Informationen zur Art: (1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) Aula-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Die Vögel zwischen Sieg, Ahr und Erft (G. Rheinwald & S. Kneitz) Ginster-Verlag, St. Katharinen 2001; (3) Der Kosmos Vogelführer (L. Svensson, K. Mullarney & D. Zetterström) Franckh-Kosmos Verlags GmbH. & Co., Stuttgart 2011

 

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