Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Männchen [Juni]
Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Männchen [Juni]

Der Gimpel (auch Dompfaff genannt) [Pyrrhula pyrrhula] aus der Familie der Finken (Fringillidae) ist für mich ein ganz besonderer Vogel. Er ist fest verankert in meinen Erinnerungen an die Kinder- und Jugendzeit. Mein längst verstorbener Onkel W. Klemme, Bruder meines Vaters, war begeisteter Ornithologe und hielt in seinem Garten am Stadtrand von Lage (Lippe) eine große Voliere mit von ihm selbst gefangenen Finkenvögeln (Erlenzeisigen, Gimpel, Stieglitze), was in den 1950er Jahren keineswegs illegal war. Und ich erinnere mich gerne an die aufregenden Augenblicke, wenn ich mit meinem Onkel zusammen die Voliere betrat, in den Händen ein paar "Leckereien", wie z.B. die Fruchtstände vom Breitwegerich, und einige der zutraulichen Gimpel angeflogen kamen, sich auf die Hände setzten um an den Sämereien zu knabbern. Ja, der Gimpel (Länge 14,5 - 16,5 cm)  ist zweifellos einer unserer schönsten Singvögel. Bezüglich des Gesangs ist er kein Superstar. Es sind sehr bescheidene kleine Melodien, die er pfeift. Recht kurz und auch nicht besonders laut. Aber eines der Männchen in der Voliere konnte die ersten Takte des Kinderlieds "Alle meine Entchen" nachpfeifen.

 

Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Weibchen [Mai]
Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Weibchen [Mai]

Mit der leuchtend rosa-rot gefärbten Unterseite und der glänzend schwarzen Kopfbefiederung ist das Männchen (erstes Foto) unverwechselbar. Das Weibchen (zweites Foto) ist zwar nicht ganz so auffällig gefärbt. Mit seiner grau-violetten Unterseite ist es aber trotzdem eine dezente Schönheit.  Der Gimpel brütet in der borealen gemäßigten Zone der Alten Welt: Von den britischen Inseln nach Osten bis nach Kamtschatka und Japan (kein Brutvorkommen in Island, S-Iberien, Mittelmeerinseln, weiten Teilen Ungarns, Rumäniens, S-Balkanländern und Türkei). In N-Russland und N-Asien Sommervogel, sonst Standvogel. Brutbiotope sind die Randzonen von Wäldern, Feldgehölze mit Sträuchern und zunehmend auch Parks, Friedhöfe und große Gärten. Mit schätzungsweise 1 Million Brutpaaren in Mitteleuropa (Deutschland etwa 300.000) ist der Gimpel derzeit nicht im Bestand gefährdet.

 

Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Jungvogel [August]
Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Jungvogel [August]

Die Paarbildung erfolgt schon im Spätsommer oder Herbst, also mindestens 6 Monate vor Beginn des Brutgeschäfts. Das Nest wird meist sehr gut versteckt auf Außenästen von Bäumen oder hohen Büschen gebaut. Legebeginn Ende April/Anfang Mai (eine evtl. Zweitbrut spätestens im August).  Die Gelege enthalten 4 - 6 Eier. Brutdauer beträgt 13 - 14 Tage. Nestlingszeit 15 - 18 Tage. Die Jungvögel (drittes Foto) werden von beiden Altvögeln gefüttert und betteln nach dem Ausfliegen mit  "drüüp drüüp"-Rufen und Hin und Herschwenken des Körpers um Futter. Sie sind ca. 3 Wochen nach dem Ausfliegen selbständig.  Die Nahrung besteht überwiegend aus pflanzlichen Komponenten (Samen und Knospen von Bäumen, Sträuchern und  krautigen Pflanzen, sowie Beeren von Eberesche, Holunder etc.).  Die Nestlinge werden gelegentlich auch mit  Insektenlarven gefüttert.

 

Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Männchen im Mauserstadium [September]
Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Männchen im Mauserstadium [September]

Die Mauser der Jungvögel zum Adultkleid (Jugendmauser) erfolgt im Zeitraum von August bis Oktober. Vollmauser der adulten Vögel (viertes Foto) von August bis September.

 

 

Quellen der Informationen zur Art: (1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.) Lizenzausgabe eBook, Aula-Verlag, Wiebelsheim 2001;

(2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) Aula-Verlag, Wiebelsheim 2012

 

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