Großer Brachvogel [engl. Curlew]

Großer Brachvogel (Numenius arquata) adulter Vogel (Nähe Dümmer See, Niedersachsen) [Juni]
Großer Brachvogel (Numenius arquata) adulter Vogel (Nähe Dümmer See, Niedersachsen) [Juni]

Der Große Brachvogel (Numenius arquata) [Geschlechter gleich gefärbt] ist mit einer Länge von 48 - 57 cm der größte der in Europa vorkommenden Vertreter der Familie der Schnepfenverwandten (Scolopacidae). Außer seinem Ruf und Gesang ist der 9 - 15 cm lange abwärts gekrümmte Schnabel (siehe Foto) sein "Markenzeichen". Im Gelände nimmt man ihn häufig erst wahr, wenn man den weit reichenden, etwas "wehmütig" klingenden Ruf "kuu-LÜÜ" hört (weswegen er von dem Dichter H. Löns [1866 - 1914] in seinen Naturschilderungen "Kolüt" genannt wurde). Der im Flug mit flatternden Flügelschlägen vorgetragene Gesang ist sehr melodiös (lautmalerisch etwa "oot oot oüt trui truil truil tru-üül") und ein Beispiel dafür, dass auch Vögel aus der Gruppe der Non-Passeriformes (Nicht-Sperlingsvögel) schöne Gesänge haben können. Das Brutareal des Großen Brachvogels erstreckt sich von W- und N-Europa (inkl. Britische Inseln, Skandinavien und Finnland) bis O-Sibirien. Lebensräume sind Moore, nur extensiv genutzte Weidelandschaften, Feuchtwiesen, u.a., also Standorte, die in Mitteleuropa und vor allem in Deutschland (D) aufgrund der äußerst intensiven Landnutzung immer mehr "Mangelware" werden. In D Brutvorkommen (insgesamt nur noch etwa 3.500 Brutpaare) hauptsächlich in den nördlichen Bundesländern.  

 

Das Nest ist eine flache mit Pflanzenmaterial ausgepolsterte Mulde am Boden. Legebeginn ab April/Mai. 4 Eier pro Gelege. Brutdauer 27 - 33 Tage. Die Jungen sind Nestflüchter,  mit 32 - 38 Tagen flügge. Die Nahrungspalette ist umfangreich: Sämereien, Insekten, Würmer, kleine Krebstiere, u.a.  Der Große Brachvogel ist Kurzstrecken- bis Langstreckenzieher. Die Winterquartiere liegen an den Küsten W-Europas und der Mittelmeerländer, z.T. auch im tropischen Afrika. Abzug aus den Brutgebieten ab Juli. Rückkehr ab März. In Deutschland ist sein Überleben langfristig wohl nur noch in solchen Gebieten möglich, in denen die von ihm und anderen Wiesenbrütern (Rotschenkel, Uferschnepfe, u.a.) als Brutquartiere genutzten Feuchtwiesen, Moore und extensiv bewirtschafteten Weidelandschaften unter Schutz stehen (wie beispielsweise in den Naturschutzgebieten rund um den Dümmer See). Nicht verwunderlich also, dass der Große Brachvogel seit 2015 auf der Roten Liste der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Arten steht.

 

Quellen der Informationen zur Art:  (1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.)

Lizenzausgabe eBook, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001;  (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas

(H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (3) Der Kosmos Vogelführer (L. Svensson et al.) 

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2011

 

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