Löffler [engl. Spoonbill]

Löffler (Platalea leucorodia) Selbständiger Jungvogel [September]
Löffler (Platalea leucorodia) Selbständiger Jungvogel [September]

Der Löffler (Platalea leucorodia) [Körperlänge 70 - 95 cm, Flügelspannweite 115 - 135 cm, Geschlechter gleich, Familie der Ibisse (Threskiornithidae)] verdankt seinen Namen dem an der Spitze löffelförmig verbreiterten langen Schnabel. Er ist ein lokal vorkommender Brutvogel in Süd-, West- und Mitteleuropa, NO-Afrika, Vorderasien und Asien. In den letzten Jahren Brutarealausweitung im nordwestlichen Mitteleuropa (Niederlande und deutsche Nordseeinseln). Der Löffler ist Sommer- und Zugvogel mit Winterquartieren im Mittelmeerraum und im nördlichen Afrika bis zur Sahelzone. Brut in Sümpfen und Verlandungszonen von Seen mit reichlichem Schilfbestand. Die Nahrungssuche erfolgt im Flachwasserbereich von Binnengewässern und z.T. auch am Meer. Die Nahrung besteht aus Insekten, Fischen, Mollusken, kleinen Krebstieren und Amphibien (auch Kaulquappen und Laich). Auf dem Foto ein selbst. Jungvogel im Flachwasserbereich eines kleinen Binnengewässers in der Nähe vom Veerse Meer (Zeeland, NL).  Jung- und Altvögel lassen sich anhand der Färbung des Schnabels unterscheiden. Bei den adulten Vögeln ist letzterer nicht rötlich-dunkelgrau wie bei den Juv., sondern schwarz-grau mit gelbem "Löffel". 


Nestbau zumeist im Schilf, aber auch auf dem Boden (auf den Nordseeinseln gerne in der Nähe von Möwenkolonien) und auf Bäumen (z.B. in alten Nestern des Graureihers) oder auf felsigem Untergrund. Bei genügend hoher Populationsgröße Koloniebrüter. Brutbeginn in Mitteleuropa (ME) Anfang bis Ende April. Nur eine Jahresbrut (bei Brutverlust Ersatzgelege). Gelege enthalten 3 - 5 Eier. Brutdauer 24 - 25 Tage. Männchen und Weibchen brüten und füttern. Die Jungvögel sind mit 45 - 50 Tagen flügge, verlassen das Nest i.d.R. aber schon vor dem Flüggewerden. Häufiger Totalverlust der Bruten im Schilf nach raschem Anstieg des Wasserstands. Gesamtbestand des Löfflers in Europa nur etwa 9.000 - 15.000 Brutpaare (ME 2.000 - 3.000, Deutschland ca. 100). Vor allem in Ost- und Südost-Europa sehr starke Bestandsrückgänge aufgrund von Zerstörung der Bruthabitate durch Entwässerung, Wasserverschmutzung und Bebauung, sowie durch Vergiftung aufgrund hoher Pestizidbelastung der Gewässer in den Brutgebieten. Deshalb bereits Eintrag in der Roten Liste der im Bestand gefährdeten Vogelarten.

 

Quellen der Informationen zur Art:  (1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.)

AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Pareys Vogelbuch (H. Heinzel et al.) Blackwell Wissenschaftsverlag, Berlin 1996;

(3) Der Kosmos Vogelführer (L. Svensson et al.) Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2011

 

Zur übergeordneten Seite

Reiher, Storch et al.