Haubentaucher [engl. Great Crested Grebe]

Haubentaucher (Podiceps cristatus) adulter Vogel [Juli]
Haubentaucher (Podiceps cristatus) adulter Vogel [Juli]

Der Haubentaucher (Podiceps cristatus) [Länge 46 - 61 cm, Geschlechter sehr ähnlich] ist in Europa mit einem Bestand von etwa 350.000 Brutpaaren der häufigste Vertreter der Lappentaucher (Familie Podicipedidae). Das Brutgebiet reicht von N-Afrika und SW-Europa über Mitteleuropa und Mittelasien bis nach China (keine Brutvorkommen auf den Mittelmeerinseln und in den südlichen Balkanländern). In Großbritannien, Spanien, Frankreich und im westlichen Mitteleuropa ist der Haubentaucher Jahresvogel, in den übrigen Regionen Kurzstreckenzieher. Während der Wintermonate verlassen die nord- und osteuropäischen Brutvögel ihre Brutgebiete und überwintern auf nicht zugefrorenen Gewässern in Mitteleuropa und an den Meeresküsten. Brutbiotope sind stehende Gewässer mit reichlichem Uferbewuchs, hauptsächlich größere Seen. Vor allem im zeitigen Frühjahr (Februar bis März), aber gelegentlich auch später im Jahr, finden die beeindruckenden Balz- bzw. Begrüßungszeremonien statt, bei denen die Paare aufeinander zuschwimmen und sich dann mit gesträubtem Kopf- und Halsgefieder unter Kopfschütteln voreinander aufrichten (siehe zweites Foto). 

 

Haubentaucher (Podiceps cristatus) Begrüßungszeremonie eines adulten Paares [Juni]
Haubentaucher (Podiceps cristatus) Begrüßungszeremonie eines adulten Paares [Juni]

In Mitteleuropa finden ein bis zwei Jahresbruten statt (von März bis August). Das Nest wird in der Ufervegetation gebaut und i.d.R. an Wasserpflanzen (Binsen, Schilf, u.a.)  befestigt. Manchmal auch frei schwimmende Nester, oder Nestbauten auf festem Untergrund, wie z.B. Felsinseln oder Wasserbauten. Die Gelege enthalten 2 - 6 Eier. Brutdauer 27 - 29 Tage. Die Jungvögel können schon ab dem 1. Tag schwimmen, werden aber noch ca. 20 Tage lang auf dem Rücken der Elternvögel getragen und sind auch danach, bis zu 11 Wochen, von letzteren abhängig. Die für Jungvögel charakteristische schwarze Längsstreifung an Kopf und Hals (siehe drittes Foto) bleibt auch nach Erlangen der Selbständigkeit noch für mehrere Wochen bestehen. Die durch Tauchgänge (bis zu 1 Minute und länger) erbeutete Nahrung besteht hauptsächlich aus Fischen, Lurchen und Krebstieren (z.T. auch Insekten).  Auf Seen und Weihern, die in normal kalten Wintern nicht zufrieren, ist der Haubentaucher Jahresvogel. Die im Winter zufrierenden Stillgewässer werden aber verlassen. Die Vögel suchen dann eisfreie Seen, Flüsse und auch Meeresküsten auf. 

 

Haubentaucher (Podiceps cristatus) weitgehend selbständiger Jungvogel [Juni]
Haubentaucher (Podiceps cristatus) weitgehend selbständiger Jungvogel [Juni]

In Mitteleuropa (ME) gehört der Haubentaucher nicht zu den bestandsgefährdeten Vogelarten (63.000 - 90.000 Brutpaare in ME, 16.000 - 26.000 in Deutschland). In der Eifel und Voreifel ist er Brutvogel auf dem Laacher See (Kr. Ahrweiler, RLP),  dem Rodder Maar (Kr. Ahrweiler, RLP), dem Schalkenmehrener Maar (Kr. Vulkaneifel, RLP), dem Zülpicher See und Füssenicher See (beide Kr. Euskirchen, NRW),  u.a.  Auf den letztgenannten Gewässern ein in etwa stabiler Bestand von ungefähr 15 - 20 Brutpaaren (eigene Zählungen). Durch menschliche Freizeitaktivitäten, Verlust der Ufervegetation durch wasserbauliche Maßnahmen, etc. gehen andernorts im dicht besiedelten Deutschland immer wieder für den Haubentaucher geeignete Brutstandorte verloren.  

 

Quellen der Informationen zur Art:  (1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.) Lizenzausgabe eBook, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001;  (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (3) Mitteleuropäische Vogelwelt (K. Heinroth) Kronen-Verlag Erich Cramer, Hamburg 1959

 

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Rallen, Kormorane et al.