Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) adulter Vogel [Mai]
Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) adulter Vogel [Mai]

Der Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) [Länge 12,5 cm, Familie der Baumläufer (Certhiidae), Geschlechter gleich] ist der einzige kleine Singvogel Mitteleuropas (ME) mit einem längeren gebogenen Schnabel (siehe Foto). Von seinem nächsten Verwandten, dem Waldbaumläufer (Certhia familiaris), unterscheidet er sich durch den etwas längeren Schnabel (was feldornithologisch i.d.R. nicht festzustellen ist), die schmutzig-weiße Unterseite, die hell bräunlich getönten Flanken und vor allem durch den Gesang. Der Gartenbaumläufer ruft weithin vernehmbar "tit-tit-titeroit"; der Waldbaumläufer-Gesang ist eine sehr hohe und weniger laute Tonfolge, etwa wie "zi-zi-zi-zi-sirr" (ein wenig an den Gesang der Blaumeise erinnernd). Der Gartenbaumläufer ist Brutvogel in West-, Süd-, Südost- und Mitteleuropa, in den Küstenregionen der Türkei und des Schwarzen Meers, sowie in einigen Regionen NW-Afrikas. Brutbiotope sind Laub- und Mischwälder, Gehölze der Flussauen, große Gärten und Parks. Kein Brutvorkommen in höheren Bergwäldern. Der Gartenbaumläufer ist Jahres- und Standvogel, macht aber gelegentlich Streuungswanderungen. Mit einem Bestand von 0,6 - 1,4 Mio. Brutpaaren in ME (0,25 - 0,74 Mio. in D) gehört er nicht zu den nur spärlich vertretenen oder gar seltenen Vögeln. 

 

Die Nahrung besteht zum allergrößten Teil aus Kleininsekten (auch deren Larven und Puppen), die vornehmlich in den Ritzen und Spalten von Baumrinden gesucht werden.  Zwecks Nahrungssuche klettert der Vogel mit ruckartigen Bewegungen an Baumstämmen, Ästen und Mauern empor.  Der Nistplatz (in Nischen und Halbhöhlen alter oder abgestorbener Bäume, in Holzstapeln, in Nischen und Hohlräumen von Gebäuden und in Nistkästen mit seitlichem Schlitz) wird vom Weibchen ausgesucht. Legebeginn in ME frühestens ab Mitte März, meistens aber erst in der ersten Aprilhälfte. Gelege enthalten 5 - 6 Eier. Brutdauer 13 - 15 Tage. Nestlingszeit 16 - 18 Tage. Beide Altvögel füttern. Nach dem Ausfliegen werden die Juv. noch mehrere Tage von den Eltern betreut. 1 - 2 Jahresbruten. Keine akute Gefährdung des Artbestands.  Aber eine zu starke Durchforstung von Wäldern (z.B. Entfernung des Totholzes), Abholzung von Gewässerauen und zunehmender Anbau von Nadelhölzern in den Tieflandregionen erschweren das Überleben der Art.

 

Quellen der Informationen zur Art: (1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.)

Lizenzausgabe eBook, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001;  (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas

(H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (3) Pareys Vogelbuch (H. Heinzel et al.)

Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin 1996

 

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Meisen et al.