Silbermöwe (Larus argentatus) adulter Vogel (Prachtkleid) [September]
Silbermöwe (Larus argentatus) adulter Vogel (Prachtkleid) [September]

Die Silbermöwe (Larus argentatus)  [Familie der Möwen (Laridae), Länge 55 - 67 cm, Flügelspannweite 138 - 150 cm, Geschlechter gleich] ist von den an den deutschen Nord- und Ostseeküsten häufigen Großmöwen (Silbermöwe, Heringsmöwe und Mantelmöwe) die häufigste. Anders als die beiden letztgenannten Arten brütet sie nicht nur in unmittelbarer Küstennähe, sondern auch im Binnenland. Das Brutgebiet umfasst außer den küstennahen Regionen des westlichen, mittleren und nördlichen Europas auch den Norden von O-Sibirien und große Gebiete in Kanada. Im ersten Foto ein adulter Vogel  auf einem Binnengewässer in Zeeland (NL). Es gibt zwei Unterarten der Silbermöwe: "argenteus" mit hellgrauem und "argentatus" mit dunkelgrauem Mantel. An den Nordseeküsten von Deutschland, Belgien und den Niederlanden hat man es aber mit Mischpopulationen der beiden Subspecies zu tun, die sich auch miteinander verpaaren. Deshalb macht es keinen Sinn, den im ersten Foto gezeigten Vogel einer Unterart zuordnen zu wollen. Der Silbermöwen-Bestand in Europa beträgt etwa 1 Mio. Brutpaare, davon ca. 100.000 in Mitteleuropa (40.000 in D, 60.000 in NL und 1.500 in B).  Nach der Brutsaison sind die Bestände an den mitteleuropäischen Küsten aber höher, dank des Zuflugs nord- und osteuropäischer Vögel. Die Silbermöwen sind Allesfresser. Auf dem Speiseplan stehen Krebse, Weichtiere, Fische, Vogeleier (manchmal sogar die der eigenen Artgenossen), Jungvögel und Lebensmittelabfälle, z.B. auf Mülldeponien.

 

Silbermöwe (Larus argentatus) Jungvogel im ersten Jahr [September]
Silbermöwe (Larus argentatus) Jungvogel im ersten Jahr [September]

Der Nestbau erfolgt ab April in Dünen, Felsspalten an Steilwänden, Blockhalden, auf Gebäuden, u.a. Legebeginn ab April (in N-Europa erst ab Mai). Gelege enthalten 2 - 3 Eier. Brutdauer 25 - 33 Tage. Beide Altvögel brüten. Die geschlüpften Jungen sind Nestflüchter  und werden von beiden Elternvögeln mit Futter versorgt. Die Jungvögel sind mit 35 - 50 Tagen flugfähig, verbleiben aber noch mehrere Wochen im Brutgebiet. Das zweite Foto zeigt einen solchen schon selbständigen Jungvogel mit dem typischen braun gefleckten Gefieder. Es ist nicht ganz einfach, Großmöwen-Jungvögel einer Art zuzuordnen. Der Vogel im zweiten Foto ist aber eine Silbermöwe. Erstens entsprach seine Größe der einer  Silbermöwe und nicht der einer Mantelmöwe (dieser Größenvergleich war möglich, weil am fraglichen Küstenabschnitt alle drei Großmöwen präsent waren);  zweitens ist der Schnabel deutlich weniger klobig als derjenige der Mantelmöwen; und drittens sind Heringsmöwe-Jungvögel viel stärker düster-braun gefärbt als die jungen Silbermöwen.

 

Silbermöwe (Larus argentatus) Vogel im 2. Jahr [September]
Silbermöwe (Larus argentatus) Vogel im 2. Jahr [September]

Wie die vier anderen in ME vorkommenden großen Möwen (HeringsmöweMittelmeermöweMantelmöwe und Steppenmöwe)  ist die Silbermöwe eine "Vierjahresmöwe", also eine solche, bei der die Umwandlung des Jugendkleids zum Adultkleid vier Jahre dauert. Bei kleineren Möwen nimmt diese Gefiederumwandlung viel weniger Zeit in Anspruch  (2 Jahre bei der Lachmöwe  und 3 Jahre bei der Sturmmöwe ). Das dritte Foto zeigt eine "halberwachsene" Silbermöwe im zweiten Jahr. Auch hier können anhand der Merkmale "Schnabelform" und "Mantelgefieder" sowohl Heringsmöwe als auch Mantelmöwe ausgeschlossen werden.

 

Silbermöwe (Larus argentatus) Vogel im 3. Jahr [September]
Silbermöwe (Larus argentatus) Vogel im 3. Jahr [September]

Das vierte Foto zeigt eine Silbermöwe im Herbst des dritten Jahres. Zwar ist der Fleck an der Unterschnabel-Spitze noch nicht rot-orange wie bei den ausgewachsenen Vögeln, aber die einheitlich hellgraue Färbung des Mantels weist schon unverkennbar auf das Adultkleid hin. In der Eifel und im Eifelumland ist die Silbermöwe zumeist nur Gastvogel. Nach der Brutsaison kann man regelmäßig Jung- und Altvögel am Rhein, auf den rekultivierten Baggerseen  des rheinischen Braunkohlereviers, auf dem Zülpicher See und auf dem Laacher See beobachten. Mitte der 1990er Jahre wurden an einem See im Braunkohlerevier (Franziskus-See zwischen Hürth und Brühl) Bruten einiger Silbermöwen-Paare in einer dort ansässigen Sturmmöwen-Kolonie beobachtet.

 

Quellen der Informationen zur Art: (1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.)

AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Die Vögel zwischen Sieg, Ahr und Erft (G. Rheinwald & S. Kneitz)

Ginster-Verlag, St. Katharinen 2001;  (3) Der Kosmos-Vogelführer (L. Svensson et al.)

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2011

 

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