Lachmöwe [engl. Black-headed Gull]

Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) Adulter Vogel im Prachtkleid (Laacher See) [Februar]
Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) Adulter Vogel im Prachtkleid (Laacher See) [Februar]

Die Lachmöwe (Chroicocephalus [Larus] ridibundus) [Länge 35 - 39 cm, Flügelspanne 94 - 110 cm, Geschlechter gleich] aus der großen Familie der Möwen (Laridae) ist die häufigste der in Mitteleuropa brütenden kleineren Möwen. Im Prachtkleid mit der dunkelbraunen, manchmal fast schwarz wirkenden Kapuze (siehe erstes Foto) werden die adulten Vögel ihrem engl. Namen Black-headed Gull voll gerecht. Im Schlichtkleid (etwa ab Ende Juli bis etwa Ende Januar) fehlt die dunkel-braune Kapuze, stattdessen ist ein breiter schwärzlicher Ohrfleck vorhanden (zweites Foto). Das  Verbreitungsgebiet reicht von NW- und S-Europa bis Ostsibirien und Kamtschatka. Die Lachmöwe brütet in Verlandungszonen von Seen, in sumpfigen Gebieten im Binnenland und auf Salzwiesen im Küstenbereich. In den dicht besiedelten und sehr intensiv genutzten Kultur- und Industrielandschaften Mitteleuropas nimmt das Brutplatzangebot allerdings immer mehr ab. In Deutschland liegen die Lachmöwen-Brutplätze vor allem in großen Naturschutzgebieten, wie beispielsweise im Zwillbrocker Venn (NRW) und in der Dümmer See-Region (NS). 

 

Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) Adulter Vogel im Schlichtkleid [Küste von Zoutelande, NL] (Januar)
Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) Adulter Vogel im Schlichtkleid [Küste von Zoutelande, NL] (Januar)

Beginn des Brutgeschäfts in Mitteleuropa Anfang April bis Anfang Mai. Nestbau (Koloniebrüter !) auf trockener oder nasser Unterlage in Pflanzenwuchs, manchmal auch auf kahlem Boden. 2 - 4 Eier pro Gelege. Brutdauer 22 - 24 Tage. Männchen und Weibchen brüten. Die Jungvögel bleiben zunächst in der näheren Umgebung des Nests, werden von beiden Eltern gefüttert und sind mit 26 - 28 Tagen flugfähig, mit ca. 35 Tagen selbständig. Ein selbst. Jungvogel ist auf dem vierten Foto zu sehen. Die Lachmöwe bevorzugt tierische Kost ( Regenwürmer, Insekten, kleine Fische, kleine Krebstiere, u.a.). Auch Lebensmittelreste auf Mülldeponien und pflanzliche Bestandteile (inkl. das von Menschen angebotene Brot) werden verzehrt. Lachmöwen agieren auch häufig als Futterräuber. Sie belagern zum Beispiel nach Nahrung tauchende Blässhühner, die bei ihren Tauchgängen Wasserpflanzen mit anhaftendem Kleingetier vom Gewässergrund holen und nehmen dieses Material den sich kaum wehrenden "Opfern" ab (siehe drittes Foto).

 

Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) belagert Blässhuhn (Fulica atra) zwecks Futterraub  [Laacher See] (Februar)
Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) belagert Blässhuhn (Fulica atra) zwecks Futterraub [Laacher See] (Februar)

Nach Beendigung der Brutsaison (spätestens Ende Juli) verlassen die Lachmöwen ihre Brutgebiete. Die in Deutschland brütenden Vögel ziehen zum größten Teil in west- und südwesteuropäische Überwinterungsgebiete. In der Eifel und Voreifel, im Großraum Bonn-Köln und im rheinischen Braunkohlerevier versammeln sich jährlich bis zu 10.000 Individuen. Am Laacher See und am Zülpicher See konnte ich während der Herbst- und Wintermonate der letzten Jahre regelmäßig 40 - 80 bzw. 80 - 130 Lachmöwen als Gastvögel zählen. Verschiedene Ringfunde zeigen, dass die meisten der im Rheinland überwinternden Vögel aus dem Baltikum und aus Russland stammen. Der Rückflug in die Brutgebiete erfolgt ab Ende Februar/Anfang März.  Nur wenige Vögel (meistens Nichtbrüter) bleiben auch während der Brutsaison in den Überwinterungsgebieten.

 

Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) Selbständiger Jungvogel [Laacher See] (September)
Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) Selbständiger Jungvogel [Laacher See] (September)

Anders als bei den mittelgroßen Möwen (Sturmmöwe u.a., ["Dreijahresmöwen"]) und den Großmöwen (Silbermöwe, Mittelmeermöwe, u.a. ["Vierjahresmöwen"]) dauert bei der Lachmöwe die Entwicklung vom Jugend- zum Adultkleid nur 2 Jahre ["Zweijahresmöwe"].  Der auf dem vierten Foto zu sehende Jungvogel (fotografiert im September) würde also (Überleben vorausgesetzt) schon im nachfolgenden Jahr das Adultkleid tragen. In Mitteleuropa gibt es ca. 400.000 Brutpaare (D 150.000). Trotz gewisser Bestandsrückgänge in den letzten Jahren aufgrund von Lebensraumverlusten und direkter menschlicher Verfolgung gilt die Art als nicht gefährdet.   

 

 

 

 

Quellen der Informationen zur Art: (1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.)

Lizenzausgabe eBook, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001;  (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas

(H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (3) Die Vögel zwischen Sieg, Ahr und Erft

(G. Rheinwald & S. Kneitz) Ginster-Verlag, St. Katharinen 2002

 

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