Korallenmöwe (Larus audouinii) adulter Vogel [Oktober]
Korallenmöwe (Larus audouinii) adulter Vogel [Oktober]

Obwohl die Korallenmöwe (Larus audouinii) [Länge 48 - 52 cm, Geschlechter gleich, Familie der Möwen (Laridae)] in Mitteleuropa eine nur seltene Ausnahmeerscheinung ist (einige vereinzelte Beobachtungen in der Schweiz, der Tschechischen Republik und in Deutschland) soll sie hier vorgestellt werden, weil sie u.a. auf der Lieblingsinsel der Deutschen (Mallorca) zu Hause ist. Sie ist Brutvogel vor allem an felsigen Küsten (neben den Küsten NW-Afrikas, O-Spaniens, Apuliens, O-Griechenlands und der SO-Türkei) der Mittelmeerinseln (Balearen, Korsika, Sardinien, Inseln der Ägäis, Kreta und Zypern). Im Vergleich zu der ebenfalls im Mittelmeerraum ansässigen Mittelmeermöwe ist sie etwas kleiner und schlanker und hat im Gegensatz zu letzterer einen deutlich weniger kräftigen tief dunkelroten Schnabel (der aus der Distanz manchmal sogar schwärzlich wirkt) und dunkel schwärzlich-grüne Beine (siehe Foto). Wie die anderen Großmöwen (MittelmeermöweSilbermöwe, HeringsmöweMantelmöwe, u.a.) ist die Korallenmöwe eine "Vierjahresmöwe", d.h. die Entwicklung des Gefieders vom Jugend zum Adultkleid erstreckt sich über einen Zeitraum von 4 Jahren. Sie ist Standvogel und auch Kurzstreckenzieher. Ihre Überwinterungsgebiete liegen an den Küsten von Algerien, Marokko, Mauretanien und Senegal.

 

Die Nahrung der Korallenmöwe besteht bevorzugt aus kleineren Fischen (zumeist küstennah in niedrigem Fangflug erbeutet) und dem von Fischerbooten entsorgten "Beifang" (Innereien von Fischen, Muscheln, Crustaceen, u.a.). Die Korallenmöwe ist Koloniebrüter. Über ihre Brutbiologie ist aber im Vergleich zu der anderer Möwen relativ wenig bekannt. Der Gesamtbestand im Mittelmeerraum beträgt nur 18.000 - 19.000 Brutpaare (davon die überwiegende Mehrheit [ca. 17.000 BP] in O-Spanien und auf den Balearen). Auf Mallorca ist sie nach den Beobachtungen des Autors regelmäßig an den Felsküsten im Süden bzw. Südosten der Insel anzutreffen. Das obige Foto wurde an einem felsigen Abschnitt der Küste bei Colonia de Sant Jordi gemacht. Obwohl in den vergangenen drei Jahrzehnten eine Zunahme der Brutbestände zu verzeichnen war (bedingt durch Gebiets- und Artenschutzmaßnahmen) ist die Korallenmöwe nach wie vor eine gefährdete Art (seit 2008 eingetragen auf der Roten Liste der IUCN [International Union for Conservation of Nature]), was damit zusammenhängt, dass ihre Brutgebiete durch den modernen Massentourismus bedroht werden. Das macht sich vor allem auf den Balearen bemerkbar. Bleibt zu hoffen, dass diese elegante Möwe auf Mallorca auch in den kommenden Jahren noch zu beobachten sein wird.

 

Quellen der Informationen zur Art: (1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.)

AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Taschenlexikon der Vögel Deutschlands (H.-J. Fünfstück et al.) Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2010

 

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