Kiebitz [engl. Lapwing]

Kiebitz (Vanellus vanellus) Balzendes Paar (Feuchtwiese in der Nähe des Dümmer Sees, Kreis Diepholz, Niedersachsen) [März]
Kiebitz (Vanellus vanellus) Balzendes Paar (Feuchtwiese in der Nähe des Dümmer Sees, Kreis Diepholz, Niedersachsen) [März]

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) [Länge 28 - 31 cm, Familie der Regenpfeiferverwandten (Charadriidae), Geschlechter  ähnlich] ist mit seinem schwarz-weißen Gefieder und der dünnen Federholle am Kopf unverwechselbar. Der Name leitet sich ab von dem oft zu hörenden Flugruf "chiu-witt". Auf dem Foto ein Paar bei der frühjährlichen Balz auf einer Feuchtwiese in der Dümmer-Niederung. Das Brutareal reicht von den Britischen Inseln, Frankreich und Zentral-Spanien über Mittel-, Nord-, Südost- und Ost-Europa bis zum Ussuri-Gebiet in Ost-Asien. Lebensräume sind feuchte Wiesen, Sumpfgebiete, die Randzonen von Gewässern im Flachland, Ruderalflächen und, als Ausweichhabitate in der intensiv genutzten Agrikulturlandschaft, neuerdings auch Äcker und Felder. In Europa kommt er als Brutvogel in größerer Zahl hauptsächlich in den Flachlandregionen der Niederlande, N-Deutschlands, Polens, Russlands und Weißrusslands vor. In Mitteleuropa (ME) 390.000 - 750.000 Brutpaare (Deutschland 42.000 - 67.0000; zum Vergleich: Amsel in Deutschland mehr als 8 Millionen BP). Im gesamten ME Durchzügler und Rastvogel während der Zugzeiten. Auf den Britischen Inseln, in Frankreich, Zentralspanien und in Kleinasien Jahresvogel, in den übrigen Gebieten Kurzstreckenzieher mit Überwinterungsquartieren in S-Frankreich, Spanien, Griechenland, NW-Afrika, Kleinasien, Vorderasien und im südlichen Mittelasien.

 

Auf dem Speiseplan des Kiebitz stehen kleine bodenbewohnende Wirbellose (Insekten und deren Larven, Würmer) und (vor allem im Winter) auch pflanzliche Bestandteile (Samen und Früchte von Wiesenpflanzen). Ankunft an den Brutplätzen Ende Februar bis Anfang März. Nestbau in Bodenmulden mit trockenem Pflanzenmaterial. Legebeginn in ME März bis Anfang April. Gelege enthalten meist 4 Eier, bei Erstbrütern auch nur 3. Brutdauer 26 - 29 Tage. Männchen und Weibchen brüten. Nach dem Schlüpfen bleiben die Küken bei guten Nahrungsbedingungen bis zum Flüggewerden in der näheren Umgebung des Nests. In den insektenarmen Agrikulturlandschaften MEs aber meistens Abwanderung in Flächen mit günstigerem Nahrungsangebot. Jungvögel mit 35 - 40 Tagen flügge. Nur 1 Jahresbrut, aber evtl. Ersatzgelege bei Verlust der Brut. Ähnlich wie andere Bodenbrüter (BekassineGroßer Brachvogel,  Uferschnepfe, u.a.) war der Kiebitz vor einigen Jahrzehnten im gesamten ME ein häufiger Brutvogel der Wiesenlandschaften. Die Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft, die Trockenlegung von Feuchtwiesen und die in großem Maßstab erfolgende Umwandlung von extensiv genutzten Wiesen und Weiden in Ackerflächen haben ihn zu einem immer seltener werdenden Brutvogel der Wiesenlandschaften werden lassen. Der Bestand der in Deutschland brütenden Kiebitze ist im Zeitraum von 1980 - 2016 um ca. 90 % zurück gegangen (deshalb bereits Eintrag in die Rote Liste D2 der stark gefährdeten Vogelarten). 

 

Quellen der Informationen zur Art: (1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.)

AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Der Kosmos Vogelführer (L. Svensson et al.) Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2011;  (3) Mitteleuropäische Vogelwelt (K. Heinroth) Kronen-Verlag Erich Cramer, Hamburg 1959;

(4) Der Kiebitz fliegt uns davon (D. Kuhfuss) in: Heimatland Lippe, 113. Jahrgang, Nr. 10, Lippischer Zeitungsverlag

Giesdorf GmbH, Detmold 2020 

 

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