Neuntöter [engl. Red-backed Shrike]

Neuntöter (Lanius collurio) Männchen (mit Flügelverletzung) [September]
Neuntöter (Lanius collurio) Männchen (mit Flügelverletzung) [September]

Der Neuntöter, auch Rotrückenwürger genannt (Lanius collurio) [Länge 16 - 18 cm, Geschlechter verschieden] ist der häufigste der in Europa brütenden Würger (Laniidae). Der Name "Neuntöter" bezieht sich auf sein angeborenes Verhalten, Beutetiere (große Insekten, kleine Säuger) nicht sofort zu verzehren, sondern auf Dornen aufzuspießen (gelegentlich auch auf Stacheldraht). Dass es immer neun Beutetiere sind, ist aber wohl ein Aberglaube aus älterer Zeit. Auf dem ersten Foto ein adultes Männchen (mit einer Verletzung am Flügel). Die Kombination aus blass rosa Unterseite, weißer Kehle, hell grauem Scheitel und Nacken, rostfarbenem Mantel und schwarzer Augenmaske lässt die Männchen schon fast als bunt erscheinen. Auf dem zweiten Foto ein selbständiger Jungvogel. Mit seinen in Braun- und Beigetönen gehaltenen Gefiederfarben ähnelt er einem adulten Weibchen. Der Neuntöter ist Brutvogel im größten Teil von Europa (ausgenommen Island, Großbritannien, Irland, NW-Frankreich, Belgien, Niederlande, N-Skandinavien, N-Finnland, Portugal, S-Spanien, Balearen, Sizilien, Kreta und Zypern), in Kleinasien und in Zentralasien bis Kasachstan.  Im Jahr 1985 wurde er vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum "Vogel des Jahres" gewählt.

 

Neuntöter (Lanius collurio) selbständiger Jungvogel [September]
Neuntöter (Lanius collurio) selbständiger Jungvogel [September]

Brutbiotope sind offene und halboffene Landschaften mit Büschen, Hecken und einzelnen Bäumen (Trockenrasen, extensiv bewirtschaftete Viehweiden, Weinberge, etc.). In den europäischen und asiatischen Brutgebieten ist der Neuntöter Sommervogel. Die Winterquartiere liegen im südlichen Afrika. Wegzug aus den mitteleuropäischen Brutgebieten Mitte Juli bis Ende September. Rückkehr hierher Anfang bis Ende Mai. Die Nahrung besteht aus Insekten (Käfer, Heuschrecken, Hautflügler, Grillen, u.a.), Kleinsäugern (junge Mäuse) und gelegentlich auch aus Jungvögeln. Wie schon erwähnt, werden die Beutetiere häufig auf Dornen (manchmal auch auf Stacheldraht)  aufgespießt. Nestbau in dichten Büschen, bevorzugt in Dornbüschen. Beginn der Brut Ende Mai bis Anfang Juni. Nur 1 Jahresbrut, bei Brutverlust aber auch Ersatzgelege. Gelege enthalten 4 - 7 Eier. Brutdauer 13 - 16 Tage. Nestlingszeit 13 - 16 Tage. Beide Elternvögel füttern. Die ausgeflogenen Jungvögel sind nach 37 Tagen selbständig und bleiben danach noch ca. 2 - 4 Wochen in der Nähe des Brutreviers. Mit maximal 1,5 Mio. Brutpaaren in Mitteleuropa (Deutschland 120.000 - 150.000 BP, zum Vergleich: Amsel in D etwa 10 Mio.) gehört der Neuntöter zu den eher spärlich vertretenen Vögeln. Die Bestände in den landwirtschaftlich weniger intensiv bewirtschafteten Mittelgebirgslandschaften mit traditioneller Landwirtschaft sind weitgehend stabil. In den intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaften der Niederungen ist der Neuntöter aber so gut wie verschwunden.    

 

Quellen der Informationen zur Art (1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.)

AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Mitteleuropäische Vogelwelt (K. Heinroth) Kronen-Verlag Erich Cramer,

Hamburg 1959;  (3) Der Kosmos Vogelführer (L. Svensson et al.) Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2011;

(4) 55 Irrtümer über Vögel (E. Bezzel) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2019

 

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