Sumpfrohrsänger [engl. Marsh Warbler]

Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) singendes Männchen (nahe Dümmer See)  [Mai]
Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) singendes Männchen (nahe Dümmer See) [Mai]

Der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) [Familie der Rohrsänger (Acrocephalidae),  Geschlechter gleich gefärbt, Länge 13 cm]  ist neben dem Schilfrohrsänger ,  dem Teichrohrsänger und dem Drosselrohrsänger einer der 4 in Mitteleuropa vorkommenden häufigeren Rohrsänger. Das Brutareal reicht von W-Europa  (N- und O-Frankreich, Beneluxländer) über Mitteleuropa (ME), S-Schweden und S-Finnland bis N-Kasachstan und W-Sibirien. Brutbiotope sind offene und nur locker mit Sträuchern bewachsene Flächen (nicht unbedingt, wie der Name vermuten lässt, sumpfige Gebiete) und die Randbereiche von Gräben, Bächen und Flüssen mit dichtem Bewuchs von höheren Stauden (Brennnesseln, Weidenröschen, Wasserdost, u.a.). Der Sumpfrohrsänger ist Zugvogel (Langstreckenzieher). Die Winterquartiere liegen in West- und Süd-Afrika. Auf dem Foto ein singendes Männchen am Rande eines wasserführenden Grabens in der Nähe des Dümmer Sees (Niedersachsen). Hinsichtlich Größe und Aussehen ist der Sumpfrohrsänger dem Teichrohrsänger sehr ähnlich. Abgesehen von den unterschiedlichen Lebensräumen kann man die beiden aber gut anhand ihrer Gesänge unterscheiden. Der Gesang des Teichrohrsängers ist eine Folge von schnarrenden und wetzenden Motiven, die stets zwei- bis dreifach wiederholt werden (lautmalerisch etwa "tiri tiri tir tir zäck zäck zäck ..."), der des Sumpfrohrsängers, der auch häufig nachts singt, eine weniger laute Folge von Imitationen anderer Vogelstimmen, untermalt mit arteigenen Motiven (Link zu einem Video mit singendem Sumpfrohrsänger am Ende des Textteils). 

 

Die Nahrung besteht aus kleinen Arthropoden (Fliegen, Schmetterlingsraupen, Blattläuse, Spinnen) und kleinen Schnecken. Nahrungsaufnahme zumeist in der Vegetation und nicht am Boden. Ankunft in den Brutgebieten ab Ende April. Brutzeit Mitte Mai bis Mitte August. Abzug aus den Brutgebieten ab Ende August. Nestbau in hochstieligen, senkrecht stehenden Hochstaudengewächsen (in ME gerne in dichten Brennnesselbeständen) in Höhen von 25 - 85 cm über dem Boden (im Gegensatz zum Teichrohrsänger aber niemals direkt über dem Wasser). Gelege enthalten 3 - 6 Eier. Brutdauer 11 - 14 Tage, beide Altvögel brüten. Nestlingsdauer 10 - 15 Tage. Beide Elternvögel füttern.  Jungvögel nach etwa 22 Tagen voll flugfähig. Nur 1 Jahresbrut, aber z.T. Ersatzgelege bei Verlust der ersten Brut. Der Sumpfrohrsänger gehört in ME mit einem Bestand von 1,1 - 1,9 Mio. Brutpaaren (400.000 - 800.000 BP in Deutschland) nicht zu den sehr häufigen Singvögeln, zeigt aber in den letzten Jahrzehnten, insbesondere im nördlichen ME,  eine Tendenz zur Besiedlung neuer Brutbiotope, wie z.B. Rieselfelder von Abwasserkläranlagen, Rapsfelder, u.a.  Trotz regionaler Bestandsrückgänge (verursacht durch Ausweitung der Industrie- und Siedlungsflächen, Verlust von Ackerrainen, Gebüschstreifen & Brachflächen) ist derzeit keine konkrete Gefährdung des Artbestands zu erkennen.

 

Video: Singender Sumpfrohrsänger

(Copyright: M. Eekhoff)

 

Quellen der Informationen zur Art:  (1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.)

Lizenzausgabe eBook, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001;  (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas

(H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (3) Pareys Vogelbuch (H. Heinzel et al.) Parey Buchverlag im Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin 1995

 

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