Nilgans [engl. Egyptian Goose]

Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Vorne das Männchen in Imponierhaltung. Die weißen Armschwingen-Deckfedern werden präsentiert. Links Weibchen bei der Gefiederpflege (Stadtpark von Rheinbach, Rhein-Sieg-Kreis, NRW) [März]
Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Vorne das Männchen in Imponierhaltung. Die weißen Armschwingen-Deckfedern werden präsentiert. Links Weibchen bei der Gefiederpflege (Stadtpark von Rheinbach, Rhein-Sieg-Kreis, NRW) [März]

Die Nilgans (Alopochen aegyptiaca) [Länge 71 - 73 cm, Flügelspannweite 134 - 154 cm, Familie der Entenverwandten, Unterfamilie Halbgänse, Enten und Säger (Anatinae)], ist Neubürger (Neozoon) in Mitteleuropa. Ihr ursprüngliches Brutgebiet liegt in Afrika (S-Ägypten bis Südafrika). Relativ große individuelle Farbvariation, aber Männchen und Weibchen doch sehr ähnlich gefärbt. Die Männchen halten häufiger Wache als die Weibchen, haben ein auffallendes Imponier- und Drohverhalten (Präsentation der weißen Armschwingen-Decken, Ausbreitung der Flügel und Hochrecken von Hals und Kopf) und verjagen andere Wasservögel (vor allem  Stockenten) aus der näheren Umgebung des Nests. Auf dem ersten Foto ein adultes Paar. Das Männchen präsentiert in seiner Imponierhaltung die weißen Armschwingen-Deckfedern in voller Pracht. Beim daneben stehenden Weibchen sind die Armdecken von den Flankenfedern überdeckt. Das ist auch der Fall bei dem adulten Vogel auf dem zweiten Foto. - In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Nilgans von Offizieren der britischen Kolonialarmee in England als Ziergeflügel eingeführt. Um 1850 gab es dort schon erste frei lebende Populationen. Ab 1960 erste Bestandsmeldungen aus den Niederlanden. Dort rasche Zunahme auf gegenwärtig ca. 6.000 Brutpaare. Von den Niederlanden aus zügige Ausbreitung entlang des Rheins nach Deutschland.  

 

Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Adulter Vogel (Geschlecht hier nicht bestimmbar). Die weißen Armschwingen-Decken sind unsichtbar, da überdeckt vom Flankengefieder (Stadtpark von Rheinbach, NRW) [März]
Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Adulter Vogel (Geschlecht hier nicht bestimmbar). Die weißen Armschwingen-Decken sind unsichtbar, da überdeckt vom Flankengefieder (Stadtpark von Rheinbach, NRW) [März]

Die Hauptbrutgebiete in Deutschland liegen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2009 in D schon etwa 5.000 Brutpaare, mit eindeutiger Zunahmetendenz. Brutbiotope sind Binnengewässer (natürliche Seen & Weiher, Stauseen, Baggerseen, Parkweiher, u.a.).  Nestbau auf Bäumen, auf Flößen im Wasser, am Boden in Pflanzenwuchs, u.a.  Legebeginn sehr variabel, meistens zwischen März und Spätsommer, manchmal auch schon im Februar. Die Gelege enthalten 6 - 10 Eier. Brutdauer 28 - 30 Tage. Das Weibchen brütet allein. Die Küken (drittes Foto) sind Nestflüchter und werden von beiden Eltern geführt. Jungvögel (viertes Foto) sind mit 70 - 75 Tagen flügge. Die Familien bleiben mehrere Wochen, manchmal auch bis mehrere Monate zusammen. Die Nahrung ist überwiegend pflanzlich (Gräser, Blätter und Blattstiele anderer Pflanzen, Getreidekörner, in städtischen Parks auch das von den Menschen angebotene Brot, u.a.), aber teilweise auch tierisch (Regenwürmer und Insekten).

 

Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Wenige Tage altes Küken (Stadtpark von Rheinbach, NRW) [Februar]
Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Wenige Tage altes Küken (Stadtpark von Rheinbach, NRW) [Februar]

In der Eifel, Voreifel und im Großraum Bonn ist die Nilgans lokal Brutvogel (z.B. am Jungferweiher [Kreis Cochem-Zell, RLP], am Zülpicher See und Füssenicher See [beide Kr. Euskirchen, NRW], im Stadtpark von Rheinbach [Rhein-Sieg-Kreis, NRW], u.a.). Am Rodder Maar [Kr. Ahrweiler, RPL], an der Steinbachtalsperre [Kr. Euskirchen, NRW] und an Rhein, Sieg, Ahr und Mosel ist sie Nahrungsgast und z.T. auch Brutvogel (z.B. an der Mosel in der Nähe von Cochem). Als anpassungsfähiger und sehr vermehrungsfreudiger Vogel hat sie im Verlauf der letzten 20 - 25  Jahre außer Seen und langsam fließenden Gewässern auch vermehrt städtische Parks besiedelt. Weil die Vögel die dortigen Wiesen nicht nur als Fraßstandorte nutzen, sondern auch mit ihrem Kot belasten, werden neuerdings die Stadtverwaltungen schon mit Forderungen nach Reduzierung der Nilgansbestände in den Parks konfrontiert.  In einigen Städten wird deshalb bereits über sogenannte Regulierungs-Abschüsse nachgedacht.

 

Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Ca. 10 Wochen alte Jungvögel (Stadtpark von Rheinbach, NRW) [Juni]
Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Ca. 10 Wochen alte Jungvögel (Stadtpark von Rheinbach, NRW) [Juni]

 

Quellen der Informationen zur Art:

(1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Die Vögel zwischen Sieg, Ahr und Erft (G. Rheinwald & S. Kneitz) Ginster-Verlag, St. Katharinen 2002;  (3) Das BLV Handbuch Vögel. Alle Brutvögel Mitteleuropas (E. Bezzel) Gräfe & Unzer Verlag GmbH, München 2019

 

 

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