Nilgans [engl. Egyptian Goose]

Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Adultes Männchen [April]
Nilgans (Alopochen aegyptiaca) Adultes Männchen [April]

Die Nilgans (Alopochen aegyptiaca) [Länge 71 - 73 cm, Flügelspannweite 134 - 154 cm, Familie der Entenverwandten, Unterfamilie Halbgänse, Enten und Säger (Anatinae)], ist Neubürger (Neozoon) in Mitteleuropa. Das ursprüngliche Brutgebiet  liegt in Afrika (S-Ägypten bis Südafrika). Die Geschlechter sind sehr ähnlich gefärbt (vgl. zweites Foto), lassen sich aber anhand ihres Verhaltens unterscheiden. Die Männchen (erstes Foto) halten viel häufiger Wache als die Weibchen, zeigen ein auffallendes  Imponierverhalten (Ausbreitung der Flügel und Hochrecken von Hals und Kopf) und verjagen die auf dem Brutgewässer lebenden anderen Vögel (insbesondere Stockenten, aber in der Regel nicht Blässhühner) aus der nahen Umgebung des Nests. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Nilgans von Offizieren der britischen Kolonialarmee in England als Ziergeflügel eingeführt. Um 1850 gab es dort schon erste frei lebende Populationen. Ab 1960 erste Bestandsmeldungen aus den Niederlanden (NL). Von da an in NL fast exponentielle Zunahme auf derzeit ca. 6.000 Brutpaare und Ausbreitung nach Deutschland (D) entlang des Rheins.

 

Nilgans (Alopochen aegyptiaca) adultes Paar am Jungferweiher, Ulmen (Kr. Cochem-Zell, RLP) [Oktober]
Nilgans (Alopochen aegyptiaca) adultes Paar am Jungferweiher, Ulmen (Kr. Cochem-Zell, RLP) [Oktober]

Die Hauptbrutgebiete in Deutschland liegen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz & Hessen. Der Bestand in diesen Bundesländern beträgt schon mehrere Tausend Brutpaare.  Brutbiotope sind Binnengewässer (natürliche Seen und Weiher, Stauseen, Baggerseen, Parkweiher,  u.a.).  Nestbau auf Bäumen (auch in alten Greifvogelhorsten), auf Flößen im Wasser, am Boden in Pflanzenwuchs, u.a.  Legebeginn sehr variabel, meistens zwischen März und Spätsommer, manchmal auch schon im Februar. Die Gelege enthalten 6 - 10 Eier. Brutdauer 28 - 30 Tage. Das Weibchen brütet allein. Die Küken (siehe drittes Foto) sind Nestflüchter und werden von beiden Elternvögeln geführt. Jungvögel mit 70 - 75 Tagen flügge. Die Familien bleiben mehrere Wochen (manchmal bis zu mehreren Monaten) zusammen. Nahrung ist überwiegend pflanzlich  (Gräser, Blätter & Blattstiele anderer Pflanzen, Getreidekörner, in Parkanlagen auch das von Menschen angebotene Brot, u.a.), aber teilweise auch tierisch (Regenwürmer und Insekten).

 

Nilgans (A. aegyptiaca) mehrere Tage alte Küken [Februar]
Nilgans (A. aegyptiaca) mehrere Tage alte Küken [Februar]

In der Eifel, Voreifel und im Großraum Bonn ist die Nilgans lokal Brutvogel (z.B. am Jungferweiher [Kreis Cochem-Zell, RLP], am Zülpicher See und Füssenicher See [beide Kreis Euskirchen, NRW], im Stadtpark von Rheinbach [Rhein-Sieg-Kreis, NRW], u.a.). Am Rodder Maar [Kreis Ahrweiler, RPL], an der Steinbachtalsperre [Kreis Euskirchen, NRW] und an Ahr, Sieg, Rhein und Mosel ist sie häufiger  Nahrungsgast.  Als sehr anpassungsfähiger und vermehrungsfreudiger Vogel hat sie im Verlauf der letzten 20 - 25  Jahre außer Seen und langsam fließenden Gewässern auch vermehrt städtische Parkanlagen besetzt. Da Nilgänse die Liegewiesen in den Parks nicht nur als Fraßstandorte nutzen (siehe viertes Foto), sondern auch mit ihrem Kot belasten, kommt es neuerdings immer häufiger zu Konflikten mit Parkbesuchern, die sich durch die Vögel gestört und belästigt fühlen. Es wurden deshalb leider schon erste städtische Abschuss-Aktionen gestartet.

 

Nilgans (A. aegyptiaca) im Vordergrund ein ca. 2 Monate alter Jungvogel [Juni]
Nilgans (A. aegyptiaca) im Vordergrund ein ca. 2 Monate alter Jungvogel [Juni]

 

Quellen der Informationen zur Art:

(1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Die Vögel zwischen Sieg, Ahr und Erft (G. Rheinwald & S. Kneitz) Ginster-Verlag, St. Katharinen 2002

 

 

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