Haussperling (Passer domesticus) Männchen im Prachtkleid [März]
Haussperling (Passer domesticus) Männchen im Prachtkleid [März]

Der Haussperling (Passer domesticus) [Länge 14 - 15 cm, Familie der eigentlichen Sperlinge (Passeridae), Männchen und Weibchen unterschiedlich gefärbt] ist weltweit mit mehreren Hundert Mio. Brutpaaren einer der häufigsten Vögel unseres Planeten. Von seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet (Europa, Nordafrika und Asien) wurde er seit dem 18. Jahrhundert eingebürgert in Nord- und Südamerika, auf Kuba, den Bermudas, Jamaika, Hawaii sowie in Neuseeland und Australien. Er ist Kulturfolger und brütet nahezu ausschließlich in menschlichen Siedlungen bzw. in deren unmittelbarer Nähe.  Im Gegensatz zum Feldsperling (Passer montanus) sind beim Haussperling, wie bereits oben erwähnt, die Geschlechter unterschiedlich gefärbt.  Die adulten Männchen mit ihren schwarzen, grauen, weißen und kastanienbraunen Gefiederpartien können, insbesondere wenn sie ihr sommerliches Prachtkleid (Brutkleid) angelegt haben, schon fast als bunt bezeichnet werden (siehe erstes Foto).

 

Haussperling (Passer domesticus) Männchen im Schlichtkleid [Oktober]
Haussperling (Passer domesticus) Männchen im Schlichtkleid [Oktober]

Im winterlichen Schlichtkleid sind die Farben bei den Haussperling-Männchen insgesamt etwas matter, die schwarzen Gefiederpartien an Kehle und Brust meist deutlich weniger ausgedehnt und der Schnabel ist nicht glänzend schwarz wie beim sommerlichen Prachtkleid, sondern gelblich bis dunkel grau-gelb (zweites Foto). Die Weibchen sind viel weniger auffällig gefärbt. Kehle, Brust, Bauch und Flanken sind schmutzig grau-weiß, bei einigen Weibchen auch mit einer bräunlich-grauen Tönung; die Oberseite ist matt braun mit schwarz-braun gestreiftem Mantel und einem hell beige-farbigen Überaugen- bzw. Hinteraugenstreif. Der Schnabel ist (je nach Alter des Weibchens) matt gelb-grau bis dunkel olivfarben-grau (drittes Foto). Der Haussperling  ist ein ortstreuer Stand- und Jahresvogel. In Mitteleuropa bilden sich im Herbst und Winter größere Schwärme (häufig zusammen mit Feldsperlingen), die zwecks Nahrungssuche in der näheren Umgebung des Brutgebiets umherstreifen.

 

Haussperling (Passer domesticus) Weibchen [Juli]
Haussperling (Passer domesticus) Weibchen [Juli]

Der Nestbau erfolgt vor allem in Nischen und Höhlen von Gebäuden, aber auch in Baumhöhlen, künstlichen Nistkästen und gelegentlich auch im Knüppelgeäst größerer Vogelhorste. Beide Altvögel bauen, oft in enger Nachbarschaft mit anderen Paaren (Kleinkolonien !). In Mitteleuropa Beginn des Brutgeschäfts Mitte April. Zumeist drei Bruten im Jahr. In jedem Gelege 4 - 6 Eier. Brutdauer 13 - 15 Tage. Nestlingszeit 17 Tage. Die Nestlinge werden in den ersten Tagen überwiegend mit Insekten gefüttert. Die ausgeflogenen Jungvögel werden von beiden Elternvögeln noch etwa 10 Tage lang gefüttert. Ein schon weitgehend selbständiger Jungvogel ist im vierten Foto zu sehen. In diesem Entwicklungsstadium kann optisch noch nicht zwischen Männchen und Weibchen unterschieden werden. Die Sterblichkeit der Jungvögel ist im Vergleich zu anderen Singvogelarten relativ hoch. Etwa die Hälfte der Nestlinge geht zugrunde, und von den ausgeflogenen Jungvögeln sterben noch einmal etwa 50 Prozent.

 

Haussperling (Passer domesticus) weitgehend selbst. Jungvogel [Juli]
Haussperling (Passer domesticus) weitgehend selbst. Jungvogel [Juli]

Der Haussperling ist ein Allesfresser. Auf dem Speisezettel stehen Grassamen und Getreidekörner (besonders solche im milchreifen Zustand), andere Sämereien und Knospen (auch gerne Blütenknospen), dazu Obst und pflanzliches Blattmaterial. Insekten und deren Larven dienen vor allem als Nahrung für die Jungvögel während der ersten Tage nach dem Schlüpfen.  -  Mit einer Population von mehr als 10 Millionen Brutpaaren allein in Deutschland gehört der Haussperling mit Sicherheit nicht zu den gefährdeten Vogelarten, wie gelegentlich behauptet wird. Auch wenn in den Innenbereichen der größeren Städte in jüngster Zeit aufgrund von Nahrungsmangel und Fehlen geeigneter Nistplätze Haussperlinge selten geworden sind, haben deren Bestände in den ländlichen Regionen nicht merklich abgenommen.

 

 Quellen der Informationen zur Art:  (1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.)

Lizenzausgabe eBook, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001; (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012

 

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