Kolbenente [engl. Red-crested Pochard]

Kolbenente (Netta rufina) Erpel (Bildmitte) mit Weibchen (links hinten) auf den Riddagshäuser Teichen in Braunschweig [März]
Kolbenente (Netta rufina) Erpel (Bildmitte) mit Weibchen (links hinten) auf den Riddagshäuser Teichen in Braunschweig [März]

Die Kolbenente (Netta rufina) [Körperlänge 53 -57 cm, Flügelspannweite 84 - 88 cm, Geschlechter verschieden gefärbt] ist in Mitteleuropa (ME) ein seltener Brutvogel (ca. 1000 Brutpaare). Im Prachtkleid sind die Erpel mit ihrem roten Schnabel, dem rostroten Kopf, dem schwarzen Brust- und Steißbereich und den weißen Flanken eine auffallend farbenprächtige Erscheinung.  Im Schlichtkleid ähneln sie, abgesehen vom roten Schnabel, den Weibchen (erstes und  zweites Foto). Bruthabitate sind flache Stillgewässer mit ausgedehnten Verlandungszonen und dichter Vegetation im Uferbereich, außerhalb ME auch Brackwasserseen und Lagunen.  Kolbenenten suchen ihre zumeist pflanzliche Nahrung (Algen, Wasserpflanzen) i.d.R. tauchend, seltener gründelnd. Das Nest wird gewässernah gut versteckt in dichtem Pflanzenwuchs angelegt. Brutzeit Anfang Mai bis Ende Juni. Gelege enthalten 8 - 10 Eier. Brutdauer 26 - 28 Tage. Die Jungen sind Nestflüchter, werden vom Weibchen geführt und sind nach 45 - 58 Tagen flügge.

 

Kolbenente (Netta rufina) Weibchen auf dem Laacher See [März]
Kolbenente (Netta rufina) Weibchen auf dem Laacher See [März]

Das geschlossene Brutareal reicht in einem schmalen Streifen vom Schwarzen Meer bis zur Mongolei. In Europa  nur wenige inselartig verteilte Brutvorkommen (Dänemark, nördliche Niederlande, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn,  Süd-Spanien und Sardinien).  Die in ME brütenden Kolbenenten sind i.d.R. Kurzstreckenzieher (Überwinterung auf den Voralpenseen und im Mittelmeerraum). Das Paar im ersten Bild habe ich im März 2018 auf einem der Weiher im Naturschutzgebiet Riddagshausen (ländlicher Stadtteil von Braunschweig) fotografiert. Das im zweiten Foto  gezeigte Weibchen hielt sich von in den Jahren 2009 - 2011 am Laacher See auf, war aber nicht verpaart. Zwar gibt es Anzeichen dafür, dass die Kolbenente während der vergangenen 10 - 20 Jahre in ME neue Brutgebiete besiedelt hat. Es ist aber auch möglich, dass es sich  bei dem Paar auf den Riddagshäuser Teichen und bei dem unverpaarten Weibchen auf dem Laacher See nicht um "echte" Neuansiedler, sondern um Flüchtlinge aus Zoos oder städtischen Vogelparks handelt. Das könnte auch zutreffen für einen Erpel, den ich vor einigen Jahren am Mosel-Ufer bei Cochem gesehen habe.

 

Quellen der Informationen zur Art (1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.)

AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Das BLV Handbuch Vögel. Alle Brutvögel Mitteleuropas (E. Bezzel)

Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2019;  (3) Der Kosmos Vogelführer (L. Svensson et al.)

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2011

 

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