Graugans (Anser anser) adultes Paar [Juni]
Graugans (Anser anser) adultes Paar [Juni]

Die Graugans (Anser anser) [Länge 76 -89 cm, Familie der Entenverwandten (Anatidae), Unterfamilie Anserinae (Schwäne und Gänse), Geschlechter gleich] ist von den vier in Mitteleuropa (ME) brütenden Gänsen bzw. Halbgänsen (Graugans, KanadagansBrandgans und  Nilgans) die am häufigsten vorkommende Art (im ersten Foto ein adultes Paar auf dem Zülpicher See). Sie ist die Stammform der Hausgans. Das Brutareal erstreckt sich lückenhaft von W-Europa (Island, Irland, England, Schottland) sowie West- und Südskandinavien über ME (Belgien, Niederlande, nördliches und östliches Deutschland) und Osteuropa (inkl. westliches Finnland und Baltikum) bis zum Kaspischen Meer. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Graugans in allen geeigneten Lebensräumen Europas (Fluss- und Küstenebenen, von Grasflächen umgebene Binnengewässer, etc.) ein häufiger Brutvogel. Lebensraumzerstörungen und menschliche Verfolgung haben sie ab Beginn des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden und in Westdeutschland praktisch aussterben lassen. Die restlichen Brutgebiete der autochthonen wilden Graugans-Populationen Deutschlands liegen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In den westeuropäischen Brutgebieten ist die Graugans Jahresvogel, sonst Sommervogel.

 

Graugans (Anser anser) adultes Paar mit Jungen [Juli]
Graugans (Anser anser) adultes Paar mit Jungen [Juli]

Im Nordwesten Deutschlands und im Rheinland trat die Graugans bis Mitte der 1960er Jahre  nur als Durchzügler und Wintergast auf. Ab 1970er Jahre wurde sie hier an einigen Standorten (z.B. Niederrhein-Region, Schwalm-Nette-Gebiet, u.a.)  wieder angesiedelt. Ihre Brutstandorte sind eutrophe Stillgewässer und rekultivierte Baggerseen (z.B. Zülpicher See und Füssenicher See [auf beiden Seen insgesamt ca. 60 - 80 Brutpaare]) in Höhenlagen bis max. 300 m. Am Rurstausee und an der Urfttalsperre in der Westeifel bzw. Nordeifel versammeln sich alljährlich bis zu 1.000 Graugänse als Wintergäste.  Die Nahrung der Graugans ist überwiegend pflanzlich (Gräser, Sämereien, Blätter, Blattstiele, etc.), z.T. aber auch tierisch (Würmer, Heuschrecken, u.a.). Nestbau erfolgt stets in Wassernähe erhöht im Röhricht, auf Stockausschlägen, etc.  In ME Legebeginn ab März/April. Die Gelege enthalten 4 - 6 Eier. Brutdauer 27 - 29 Tage. Nach dem Schlüpfen verlassen die Jungvögel das Nest und werden von beiden Eltern geführt (vgl. zweites Foto, aufgenommen an einem Graben in der Nähe vom Dümmer See).  Die Jungvögel sind mit 50 - 60 Tagen flügge. Der Familienverband bleibt im Sommer und Herbst  bestehen und löst sich erst im Winter auf.  Die Graugans tendiert zur Bastardierung mit anderen Gänsearten, z.B. der Kanadagans. Ihre Bestände in ME (schätzungsweise 23.000 - 33.000 BP) sind gefährdet durch Jagd, Zerstörung der Lebensräume aufgrund von Kultivierungs- und Entwässerungsmaßnahmen und durch menschliche Freizeitaktivitäten an den Brut- und Rastgewässern. Akut bedroht ist der Fortbestand der Art aber derzeit nicht.

 

Quellen der Informationen zur Art:  (1) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.)

AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (2) Die Vögel des Rheinlandes. Ein Atlas der Brut- und Wintervogelverbreitung 1990 - 2000

(M. Wink et al.) Romneya Verlag und Verlag NIBUK, Dossenheim 2005;  (3) Die Vögel zwischen Sieg, Ahr und Erft

(G. Rheinwald & S. Kneitz) Ginster-Verlag, St. Katharinen 2002

 

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