Wasseramsel [engl. Dipper]

Wasseramsel (Cinclus cinclus) adulter Vogel [April]
Wasseramsel (Cinclus cinclus) adulter Vogel [April]

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) [Körperlänge 18 cm, Geschlechter gleich] ist trotz ihres Namens keine nahe Verwandte der Amsel (Familie der Drosseln [Turdidae]), sondern eine Angehörige der Familie der Wasseramseln (Cinclidae), die weltweit nur durch eine Gattung vertreten und nur weitläufig mit den Drosseln verwandt ist. Bei den Wasseramseln handelt es sich um kompakte, aber doch stromlinienförmige Vögel mit kräftigen Beinen und Füßen. Die eurasische Wasseramsel (C. cinclus) ist Brutvogel mit nur lückenhafter Verbreitung in den Mittelgebirgs- und Gebirgsregionen Europas, N-Afrikas, Kleinasiens und des mittleren und nördlichen Asiens vom Iran bis zur Mongolei und West-China.  Sie ist zumeist Jahres- und Standvogel. Die Brutvögel der weit nördlich gelegenen Regionen sind  Teilzieher, die im Winter in südlichere Gebiete ausweichen (z.B. die Brutvögel N-Skandinaviens und N-Finnlands nach S-Finnland, ins Baltikum und nach Polen).  Es wurden bisher zwei Unterarten unterschieden: "C. cinclus cinclus" (Skandinavien, Finnland, Sibirien, Frankreich, iberische Halbinsel, Korsika) und "C. cinclus aquaticus" (Mitteleuropa, nahes östliches Europa, Italien, Balkanländer), die sich bzgl. Intensität der Brauntöne des Gefieders unterscheiden. Neuere molekularbiologische Daten lassen Zweifel an der Berechtigung dieser Unterteilung aufkommen. Brutbiotope der Wasseramsel sind rasch fließende saubere Bäche und kleinere Flüsse mit stellenweise seichten Partien und größeren Steinen, Felsen oder Kiesbänken als Sitzwarten. Der Gesang (sowohl von den Männchen als auch von den Weibchen vorgetragen) ist ein länger andauerndes Schwätzen mit einigen Trillern und etwas kratzenden Lauten. Auf dem ersten Foto ein adulter Vogel bei der Nahrungssuche am Rand des Flussbettes der Ahr).  

 

Wasseramsel (Cinclus cinclus) flügger, aber noch unselbst. Juv. [April]
Wasseramsel (Cinclus cinclus) flügger, aber noch unselbst. Juv. [April]

Die Suche nach Nahrung (Wasserinsekten, kleine Krebse, Asseln, Spinnen, Würmer, kleine Fischchen und Amphibien) erfolgt sowohl am Rande der Fließgewässer als auch unter Wasser. Die Wasseramsel ist eine gute Schwimmerin (auf und unter Wasser) und hat ein sehr dichtes Körpergefieder zwecks Wärmedämmung und Wasserabweisung. Nestbau meist über (i.d.R. in Höhen von weniger als 2 m über der Wasseroberfläche) oder hinter stark strömendem Wasser auf möglichst fester Unterlage (T-Träger von Brücken, Felsen, Mauerwerk, etc., auch gerne in artgerechten Nistkästen). Legebeginn in Mitteleuropa ab Februar/März. Gelegegröße 4 - 6 Eier. Brutdauer 16 - 17 Tage. Weibchen brütet allein. Nestlingszeit 20 - 24 Tage. Beide Elternvögel füttern. Die Juv. (zweites Foto) sind nach 24 - 26 Tagen flügge (können schon vor Erreichen der Flugfähigkeit schwimmen) und werden bis zur Selbständigkeit (nach 31 - 34 Tagen) von beiden Elternvögeln betreut. Ein bis zwei Bruten pro Jahr.  -  Die Wasseramsel gehört in Mitteleuropa nicht zu den häufigen Vögeln (insgesamt nur 25.000 - 35.000 Brutpaare, Deutschland 8.000 - 12.000; zum Vergleich:  Amsel in Deutschland ca. 10 Mio.). Die Bestände sind aber, trotz gelegentlicher Verluste nach sehr kalten Wintern oder nach starken Hochwässern, weitgehend stabil.  

 

Quellen der Informationen zur Art:  (1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.)

Lizenzausgabe eBook, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001;  (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas

(H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (3) Der Kosmos Vogelführer (L. Svensson et al.)

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2011

 

Zur übergeordneten Seite

Drosseln et al.