Amsel [engl. Blackbird]

Amsel (Turdus merula) Männchen mit Futter [März]
Amsel (Turdus merula) Männchen mit Futter [März]

Die Amsel (Turdus merula) [Länge 24 - 25 cm, Familie der Drosseln (Turdidae)] ist wohl einer der bekanntesten und häufigsten Vögel Mitteleuropas (allein in D etwa 8 - 10 Mio. Brutpaare). Auf dem ersten Foto ein adultes Männchen, unverwechselbar mit dem glänzenden schwarzen Gefieder, dem gelben Schnabel und dem gelben Lidring. Im ersten Herbst und Winter ist das Gefieder der jungen Männchen noch nicht glänzend schwarz, der Schnabel noch grau-schwärzlich und die Arm- und Handschwingen sind noch deutlich braun getönt (zweites Foto). Die Weibchen (drittes Foto) sind oberseits dunkelbraun und auf der hellbraunen Kehle dunkelbraun gefleckt. Auch die etwas dunklere Brust hat diffuse braune Flecken (insgesamt also eine gute Tarnfärbung).  Das Brutgebiet der Amsel umfasst Europa (inklusive Mittelmeerinseln), NW-Afrika (inklusive Madeira und Kanaren), Kleinasien und China. Lebensräume sind Laub- & Mischwälder (vor allem deren Randzonen), Feldgehölze, Heckenlandschaften, Parks und Gärten (auch in größeren Städten). In ME, Großbritannien, S-Skandinavien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, in den Balkanländern, NW-Afrika und Kleinasien ist die Amsel Jahresvogel. Die in N-Skandinavien, Finnland, dem Baltikum, Polen und Weißrussland brütenden Vögel ziehen im Winter in südlicher gelegene Winterquartiere.

 

Amsel (Turdus merula) Junges Männchen im ersten Herbst [November]
Amsel (Turdus merula) Junges Männchen im ersten Herbst [November]

Der melodische Gesang der Amsel, meistens vorgetragen von einer exponierten Warte (Wipfel eines Baums oder eines hohen Strauchs, einem Hausdach, u.a.), ist eine in recht gemächlichem Tempo vorgetragene Folge mehrerer flötender Motive, die i.d.R. mit einer ziemlich gepresst klingenden Schluss-Strophe beendet wird. Die flötenden Strophen sind dem etwas temporeicheren Gesang der Misteldrossel sehr ähnlich, was bei weniger erfahrenen Vogelbeobachtern zur Verwechslung der beiden Sänger führen kann.  Die Amsel-Nahrung ist zur Hälfte tierisch (Regenwürmer, Insekten und deren Larven,  gelegentlich auch kleine Frösche und Nacktschnecken), zur anderen Hälfte pflanzlich. Im Sommer und Herbst werden vermehrt Beeren und Obst gefressen. Im Winter ist die Amsel eine häufige Besucherin von Futterstellen mit geeignetem Weichfutter (Obst, Rosinen, Haferflocken, etc.).

 

Amsel (Turdus merula) Älteres Weibchen [April]. Bei den jüngeren Weibchen ist der Schnabel noch mehr bräunlich grau gefärbt.
Amsel (Turdus merula) Älteres Weibchen [April]. Bei den jüngeren Weibchen ist der Schnabel noch mehr bräunlich grau gefärbt.

In Mitteleuropa (ME) Brutbeginn Anfang bis Mitte April, manchmal auch etwas früher. Nestbau in Bäumen und Sträuchern, sowie in Nischen und hohem Pflanzenwuchs (z.B. Efeu) an Gebäuden. 2 - 3 Bruten pro Jahr. Die Gelege enthalten 4 - 6 Eier. Brutdauer 12 - 14 Tage. Dauer der Nestlingszeit 13 - 16 Tage. Die Nahrung für die Nestlinge besteht in den ersten Tagen aus Insekten, Insektenlarven (vgl. erstes Foto) und Würmern. Die jungen Vögel verlassen das Nest in noch flugunfähigem Zustand (viertes Foto). Sie  werden nach Verlassen des Nests noch etwa zwei Wochen von Männchen und Weibchen gefüttert (zunächst von beiden Elternvögeln, später nur noch vom Männchen). Der Bruterfolg bei Amseln ist sehr gering. In ME erreichen nur etwa 30 % der Nestlinge das Stadium der Selbständigkeit. Trotz dieser hohen Verluste, verursacht durch Katzen (in Gärten vor allem durch Hauskatzen) und Marder, aber auch durch Krähenvögel (ElsterRabenkrähe, u.a.), ist der Fortbestand der Art nicht gefährdet.

  

Amsel (Turdus merula) Noch nicht voll flugfähiger Jungvogel (Pullus), der erst kürzlich das Nest verlassen hat [Mai]
Amsel (Turdus merula) Noch nicht voll flugfähiger Jungvogel (Pullus), der erst kürzlich das Nest verlassen hat [Mai]

 

Quellen der Informationen zur Art:

(1) Handbuch der Vögel Mitteleuropas (U.N. Glutz von Blotzheim, Hrsg.) Lizenzausgabe eBook, AULA-Verlag, Wiebelsheim 2001; (2) Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas (H.-G. Bauer et al., Hrsg.) AULA-Verlag, Wiebelsheim 2012;  (3) Das BLV Handbuch der Vögel.

Alle Brutvögel Mitteleuropas (E. Bezzel) Gräfe & Unzer Verlag GmbH, München 2019 

 

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